ein Kommentar
von Sven Ebert
Für Podcast-Liebhaber: In ca. 6 Minuten werden in unserem KI-generierten Podcast (erstellt mit NotebookLM) die wichtigsten Punkte des
Kommentars diskutiert.
1. Die Ökonomie der Langlebigkeit
Ein längeres Leben kann mehr Wohlstand
schaffen. Würden alle Beschäftigten in Deutschland ein zusätzliches Lebensjahr
mit Arbeit verbringen, stiege das Bruttoinlandsprodukt um rund zwei Prozent.
Verweilt man hingegen ein Jahr mehr im Ruhestand, benötigt man zusätzliche
Ersparnisse oder die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung steigen.
Die private Altersvorsorge balanciert solche
gegenläufigen Effekte mit Hilfe der Versicherungsmathematik aus. Eine private
Rente ist so kalkuliert, dass die Ersparnisse im Mittel bis zum Lebensende
vollständig aufgebraucht sind. Die steigende Lebenserwartung erfordert längere
Einzahlungszeiträume oder eine kleinere Rente.
Die gesetzliche Rente kennt dieses Prinzip
grundsätzlich auch. Wer länger und mehr einzahlt, bekommt eine höhere Rente.
Aber politische Erwägungen spielen auch eine wichtige Rolle. Dank wachsender
Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt erhalten Menschen Leistungen, für die sie
nicht bezahlt haben.
2. Langlebigkeit erhöht die Ausgaben der
gesetzlichen Rente
Langlebigkeit erhöht die durchschnittliche
Rentenbezugsdauer und sorgt so für höhere Ausgaben der gesetzlichen
Rentenversicherung. Einen Ausgleichsmechanismus, wie z.B. die Koppelung des
Rentenalters an die Lebenserwartung, gibt es nicht.
Damit steigen bei zunehmender Lebenserwartung
und niedrigen Geburtenraten die Belastungen für die Beitragszahler ungebremst
weiter. Die jungen Menschen müssen höhere Beiträge und steigende
Steuerzuschüsse aufbringen. Zusätzlich werden sie über neue Staatsschulden an
den Ausgabensteigerungen beteiligt.
Unklar ist, ob den Erwerbstätigen ihre höheren
Beiträge später durch gesetzliche Renten gedankt werden. Ein hohes Rentenniveau
heute sorge für ein hohes Rentenniveau morgen, lautet ein oft gehörtes
Argument. Doch allen Beteuerungen zum Trotz sinkt das Rentenniveau seit Jahren.
3. Seit vierzig Jahren schlecht verzinst
Der rechnerische Zinssatz, bei dem
die Beiträge und die spätere Rente gleichwertig sind, kann als Rendite der
gesetzlichen Rente interpretiert werden. Dieser
(kalkulatorische) Zins lässt sich mit den Renditen privater
Rentenversicherungen und Investitionen am Kapitalmarkt vergleichen. Er liefert
damit einen Anhaltspunkt, wie „profitabel“ die gesetzliche Rente ist.1
Setzt sich die Entwicklung bei Löhnen und
Renten der letzten vierzig Jahre fort, erhält ein heute 62-Jähriger bis zum
Alter 87 eine Verzinsung von 1,47 Prozent auf seine Beiträge. Eine private
Rentenversicherung hätte einem heute 62-jährigen zu Beginn seines Erwerbslebens
vor 40 Jahren drei Prozent Rendite auf seine Einzahlungen garantiert. Um in der
gesetzlichen Rente auf die gleiche Verzinsung zu kommen, müsste er 103 Jahre
alt werden.2
Für einen jungen Menschen fällt die Rechnung
noch unerfreulicher aus. Wer heute im Alter 22 mit der Einzahlung in die
gesetzliche Rentenkasse beginnt, erreicht bis zum Alter 87 eine Verzinsung von
minus 0,54 Prozent. Selbst ohne Inflation bezahlen junge Menschen heute also
drauf, wenn sie – zwangsweise! - in der gesetzlichen Rentenversicherung sind.
4. Stellschrauben
Einige Politiker fordern, das
Renteneintrittsalter nicht weiter zu erhöhen. Damit würde die ohnehin schon
magere Verzinsung der gesetzlichen Rente nicht noch weiter sinken. Andererseits
würde diese Maßnahme die Beitragszahler entlasten und Beitragssenkungen
ermöglichen. Es stände mehr Geld für private Vorsorge zur Verfügung.
Wird das
Renteneintrittsalter von 67 auf 70 Jahre erhöht, spart die Rentenkasse etwa 15
Prozent ihrer Ausgaben ein und kann Beiträge sowie Steuerzuschüsse entsprechend
absenken. Für einen 22-Jährigen sinkt unter diesen Annahmen die Rendite um 0,23
Prozentpunkte auf -0,77 Prozent. Dass er länger einzahlen muss, wirkt sich
stärker negativ auf die Verzinsung aus, als die niedrigeren Beiträge
ausgleichen können.
Die Rendite eines 62-Jährigen geht bei einer
Anhebung des Rentenalters von 67 auf 70 um 0,62 Prozentpunkte auf 0,85 Prozent
zurück. Anders als ein 22-Jähriger profitiert er nur acht, statt 48 Jahre von
niedrigeren Beiträgen, bekommt aber drei Jahre weniger Rente. Daher fällt seine
Verzinsung im Vergleich zu einem 22-Jährigen um rund das Dreifache.
Langlebigkeit erhöht dagegen die Verzinsung.
Unterstellt man ein fünf Jahre längeres Leben - um diesen Wert nahm die
Lebenserwartung in Deutschland seit der Wiedervereinigung zu - führt das zu
mehr Rendite. Die Verzinsung eines 22-Jährigen steigt um 0,84 Prozentpunkte auf
0,30 Prozent. Bei einem 62-Jährigen erhöht sich die Rendite um 0,67
Prozentpunkte auf 2,14 Prozent (siehe Tabelle).